Bild: Patricia Gropp
Dr. Sabina Magnani-von Petersdorff, italienische Kunsthistorikerin und Publizistin, bei seinem Vortrag. Bild: Patricia Gropp

„Antonio Canova und Bertel Thorvaldsen – die Geburt der modernen Skulptur“ lautete der Titel des Vortrags von Dr. Sabina Magnani-von Petersdorff aus Berlin. Auf Einladung des deutsch-italienischen Freundeskreises Bensheim – Riva del Garda referierte die Expertin im Pfarrzentrum von St. Georg über die Werke von Antonio Canova (1757 – 1822) und Bertel Thorvaldsen (1770 – 1844). Beide Künstler haben in Rom gewirkt und gearbeitet, beide wollten die klassische Skulptur der griechischen Antike wiederbeleben und beide haben eine Wende hin zur modernen Bildhauerei herbeigeführt.

Canova kommt aus künstlerischem Hause, absolvierte mit 14 Jahren eine Bildhauerlehre und ging im Alter von 24 Jahren nach Rom. Man rechnet Canova dem Neoklassizismus zu, der die Reinheit und Harmonie der klassischen Antike wieder herstellen wollte. Canova wollte die Meisterwerke der Antike verstehen und interpretieren. Seine Werke sollen Lebendigkeit, Schönheit, Mut, Kraft, Bewegung und Liebe darstellen. Er selbst sprach von der Darstellung der „lebendigen Natur“. Die Expertin führte weiter aus: Seine Skulpturen sollten der Mittelpunkt des Raumes sein, man konnte um sie herumgehen und unterschiedliche Perspektiven einnehmen. Das sieht man beispielsweise sehr gut bei seiner Skulptur Amor und Psyche, eines seiner Meisterwerke. Canovas Werke gelten als Wiederbelebung der Bildhauerei als Kunstgattung. Er wurde zum Erfinder der modernen Bildhauerei mit Inspiration aus der Antike.

Bertel Thorvaldsen war Däne und kam über ein Stipendium 1797 nach Rom. Er war noch intensiver als Canova um Nachahmung der Antike bemüht. Seine Skulptur Jason mit dem goldenen Vlies hat ihn 1803 über Nacht berühmt gemacht. Auch er bezieht sich auf die Skulptur von Polyklet. Thorvaldsen galt als der Künstler Dänemarks: Er hinterließ mehr als 450 Skulpturen.

Berühmt sind unter anderen die drei Grazien und Amor. Beide, Thorvaldsen und Canova, schufen eine Skulptur mit diesem Namen. Dr. Sabina Magnani-von Petersdorff ordnet ein: Canovas Marmor erscheint sinnlicher, von ihm zusätzlich mit einem wächsernen Überzug geglättet. Thorvaldsen lässt trotz Feinheit der Oberfläche das Material erkennen. Auch die Kompositionen unterscheiden sich: Canova lässt seine Grazien in fließender Bewegung verschmelzen und fordert den Betrachter auf, die Gruppe zu umrunden. Thorvaldsen zeigt drei herrliche Grazien, in absoluter Reinheit, sie erscheinen keusch und streng, eher an den Klassizismus angelehnt. An ihren Füßen fügt allein er einen sitzenden Amor hinzu.

Die gezeigten Reliefplastiken der beiden Künstler wirken eindrucksvoll, lebendig und bewegt. Canova wie Thorvaldsen lebten und arbeiteten viele Jahre in Rom, dem damaligen „Zentrum der Welt“ der Kunst. Die beiden Meister des Neuklassizismus waren in ihrer Zeit Konkurrenten, schätzten aber einander.

Dr. Sabina Magnani-von Petersdorff ist italienische Kunsthistorikerin und Publizistin. Die Tochter der bekannten Journalistin Franca Magnani lieferte einen eindrucksvollen Vortrag über zwei Künstler, die in Italien eine Schlüsselrolle eingenommen haben und der vom Publikum im gut besuchten Pfarrzentrum mit viel Applaus bedacht wurde.

Autor: Patricia Gropp