Die Lesung von Bertold Mäurer (l) wurde musikalisch von Kalin Yanchev aus Frankfurt begleitet. Foto: Christoph Kutzner

Die Vortragsreihe des deutsch-italienischen Freundeskreises Bensheim – Rival del Garda ist um eine gut besuchte Veranstaltung reicher geworden: Berthold Mäurer stellte das Werk „Badekur des Herzens“ von Werner Bergengruen in den Mittelpunkt des Abends und traf damit auf interessierte und aufgeschlossene Zuhörer. 

Patricia Gropp gab eine Einführung in die bewegte Vita und das Werk des Schriftstellers, der 1892 in Riga geboren wurde und 1964 in Baden-Baden verstarb. Sie stellte auch eine weniger bekannte Seite Bergengruens vor: Er besaß ein Dolmetscherexamen und übersetzte russische Klassiker wie Tolstoi, Dostojewski und Turgenjew. Zudem ging sie der Frage nach, warum Werner Bergengruen heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Vielen gilt er als „aus der Zeit gefallen“, als altmodisch; Theodor W. Adorno tat ihn als „Heile-Welt-Dichter“ ab, anderen erscheint er zu konservativ. Viele nickende Köpfe rief sie hervor, als sie erwähnte, dass Werner Bergengruen noch in den 1950er-Jahren gemeinsam mit Hermann Hesse zu den meistgelesenen Autoren Deutschlands zählte. Zwölf Romane, fast 500 Gedichte und über 200 Erzählungen zeugen von seiner enormen Schaffenskraft. Besonders bekannt an Bergstraße und Odenwald ist sein Buch „Rodenstein“.

Rezitator Berthold Mäurer wählte fünf Abschnitte aus Bergengruens Kapitel „Italienreisen“, die er eloquent und mit Verve vortrug. Zwischen den einzelnen Textpassagen spielte Kalin Yanchev aus Frankfurt, Mitglied des Barrios Guitar Quartet und Lehrer an der Musikschule Rüsselsheim, Gitarrenstücke von Mauro Giuliani (1781–1829) und Johann Kaspar Mertz (1806–1856). Die Musik bildete stimmige und atmosphärische Brücken zwischen den Texten. Der Künstler brillierte an seinem Instrumente und bereicherte den Abend maßgeblich.

Zum Buch: 1932 zunächst unter dem Titel „Baedeker des Herzens“ erschienen und 1956 überarbeitet als „Badekur des Herzens“ neu aufgelegt, zeigt das Werk die heitere Seite des Schriftstellers Werner Bergengruen. Es ist kein klassischer Reiseführer, sondern eine kurzweilige Lektüre, die den Charme vergangener Zeiten vermittelt. Der Untertitel lautet folgerichtig „Reiseverführer“. Das Buch besteht aus persönlichen Reflexionen mit Beschreibungen von Orten, Personen und Begebenheiten.

Das Publikum bedachte die Protagonisten des Abends mit großem Beifall – erneut ein gelungener Abend des Freundeskreises.

Autor: Matthias Schaider