
Die Herbstsaison des Freundeskreises Bensheim-Riva del Garda eröffnete ein Tagesausflug in die nahegelegene Pfalz nach Rhodt unter Rietberg an der Deutschen Weinstraße. Organisatorin der Reise war das Vereinsmitglied Patricia Gropp, eine ausgewiesene Kennerin und Liebhaberin in dieser Region. Der kulinarische und kulturelle Genuss war somit garantiert und auch auf das angesagte spätsommerliche Wetter war Verlass.
Rhodt, selbst oft als „Traminerdorf“ bezeichnet, liegt in einer der bundesweit größten Anbauregionen für den Gewürtraminer. Der ganze Stolz des Ortes ist die Weinlage „Rhodter Rosengarten“, die zu Recht den Ehrentitel ältester Weinberg der Welt trägt. Deren Reben wurden vor über 400 Jahren gepflanzt und liefern noch heute einen kleinen, aber feinen Ertrag, für den man schon etwas tiefer in die Tasche greifen muss.

Die Führung gab einen interessanten Einblick in die wechselvolle Geschichte der Region als begehrtes Objekt französischer, badischer und bayrischer Herrschaft. Während der 200-jährigen badischen Herrschaft bis 1801 prosperierte die Gemeinde durch den florierenden Weinhandel. Es entstanden zahlreiche stattliche Winzerhäuser, die noch heute die Prachtstraße des Ortes zieren. Diese ehemalige Obergasse heißt heute Theresienstraße und verdankt ihren Namen der Epoche, als die Pfalz nach einem kurzen Interregnum von 1816 bis 1945 zum Königreich und späteren Freistaat Bayern gehörte.

Was die Ludwigstraße für München, erbaut vom bayrischen König Ludwig I., dessen Bautätigkeit das Stadtbild Münchens nachhaltig prägte, ist die Theresienstraße für die Gemeinde Rhodt, die seiner beim Volk sehr beliebten Gemahlin Königin Therese damit ein Denkmal setzte.
Während ihrer sommerlichen Aufenthalte besuchte die protestantische Königin die lokale Georgskirche zu Gebet und Gottesdienst. Ihre Königinnenloge einschließlich des originalen Sessels sind noch heute dort zu bewundern, wovon sich die Gruppe bei einer abschließenden Sektverkostung in der dank einer großzügigen Spende liebevoll restaurierten Kirche überzeugen konnte.
Die umtriebige Bautätigkeit des kosmopolitisch gebildeten Königs beschränkte sich nicht nur auf seinen Regierungssitz. Er rettete viele pfälzische Burgen vor dem Verfall, förderte Wirtschaft und Infrastruktur. Oberhalb von Rhodt und der Gemeinde Ebenkoben schuf er sich mit der Villa Ludwigshöhe eine Sommerresidenz in der von ihm geliebten Pfalz, „eine Villa italienischer Art, nur für die schöne Jahreszeit bestimmt und in des Königreichs mildestem Teil“.
Der imposante klassizistische Bau mit kostbaren Holzfußböden nach Art antiker Steinmosaike und einer Innenausstattung im pompejanischen Stil widerspiegelt die Bewunderung des Königs für die italienische Antike, die er bei seinen zahlreichen Aufenthalten in Italien kennengelernt hatte.
Der weite Blick über die Rheinebene und die Lage inmitten von Weinbergen und Kastanienhainen machen die Villa Ludwigshöhe zu einer wahrhaft königlichen Sommerresidenz mit italienischem Flair. Die Führung durch den nach einer Sanierungsphase von fünf Jahren 2025 wieder eröffneten Baukomplex bildete den krönenden Abschluss des Ausfluges.
Text: Freundeskreis