
Die herbstliche Italienreise des deutsch-italienischen Freundeskreises Bensheim – Riva del Garda führte in diesem Jahr in die geschichtsträchtige Gegend der Lombardei und an den malerischen Lago Maggiore. Unter der sach- und fachkundigen Leitung von Dr. Pina und Heribert Kittel waren die Tage gefüllt mit vielfältigen Informationen kultureller, politischer und geologischer Art. Die Funktion des Gotthardmassivs als Wasser- und Wetterscheide hatte Familie Kittel bei ihrer Vortour zu Beginn des Jahres leibhaftig zu spüren bekommen, als sie am südlichen Ausgang des Gotthardtunnels mit heftigem und anhaltendem Schneetreiben empfangen wurden. Da war es doch eine Erleichterung für die Gruppe, dass der Wettergott wesentlich milder, wenn auch nicht immer gnädig gestimmt, in Erscheinung trat.
Erstes Etappenziel war Mailand, die Hauptstadt der Lombardei und Mode-, Industrie- und Bankenmetropole Italiens. Schon am Anreisetag bot sich die Gelegenheit, das architektonisch interessante Neubauprojekt Porta Nuova zu besuchen, das 2010 auf dem heruntergekommenen Bahnhofsviertel in der Innenstadt angelegt wurde. Entstanden ist ein modernes Geschäftsviertel mit extravaganten Wolkenkratzern, einer Flaniermeile und einem großzügigen Park als Naherholungsgebiet.
Die beiden folgenden Tage waren ausgefüllt mit der Besichtigung der wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Ausgangspunkt war die Piazza Duomo, der zentrale Platz der Stadt mit dem Reiterstandbild König Vittorio Emanuele II., dem ersten König des geeinten Italien – der gleichnamigen mondänen Galleria, die zu den ersten überdachten mit Stuck, Fresken und Mosaiken geschmückten Einkaufspassagen der Welt zählt – dem gegenüberliegenden einstigen Königspalast und natürlich dem Mailänder Dom, als gotisches Bauwerk eine der größten Kathedralen der Welt.
Geschichte und Ausstattung des Domes wurden der Gruppe durch die kundige Führung zweier ortsansässiger Damen nahegebracht. Auch der Besuch des mittelalterlichen Bezirks von Mailand rund um die Piazza dei Mercanti durfte nicht fehlen. Nach einem Spaziergang durch die Galleria Vittorio Emanuele und der Überquerung der Piazza mit dem Denkmal des Leonardo da Vinci, der lange Zeit in Mailand gewirkt hat, kommt man zu einer in der Musik weltbekannten Institution der Stadt. Die lebendige Einführung in die Geschichte und künstlerische Bedeutung der Mailänder Scala durch Patricia Gropp stillte das Interesse der aufmerksamen Zuhörer.
Der letzte Tag in Mailand begann mit dem Besuch des imposanten Castello Sforzesco im Nordwesten der Altstadt. Pina Kittel gab mit kenntnisreichen Erläuterungen einen Einblick in die wechselvolle Historie des Baus, und ihre detaillierten Informationen zu den historisch maßgeblichen Personen der Herrscherhäuser der Visconti und Sforza erleichterten das Verständnis des verwirrenden Familiengeflechts. Ein kleiner Trakt des Museums beherbergt das letzte Werk Michelangelos, die unvollendete Pietà Rondanini.
Der Kunstgenuss fand am Nachmittag mit einer Führung durch die Pinacoteca di Brera seine Fortsetzung. Vor der Weiterfahrt nach Brescia standen noch ein Abstecher zum Zentralfriedhof von Mailand und ein Besuch der berühmten Certosa di Pavia auf dem Programm. Der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaute Cimitero Monumentale bietet als Museum im Freien einen Einblick in die von der illustren Gesellschaft Mailands, seien es Künstler, Magnaten oder politisch bedeutende Persönlichkeiten, in Auftrag gegebene imposante Grabkunst mit lebensgroßen Skulpturen unterschiedlichster Art. Als Beispiel sei die Grabanlage der Familie Campari genannt, die ihr Mausoleum mit einer bronzenen Abendmahlsdarstellung in „Übergröße“ gekrönt hat.
Das Kartäuserkloster Certosa di Pavia entstand als Stiftung des mächtigsten Herzogs der Visconti Gian Galeazzo. Die dazugehörige Kirche mit der prachtvollen Fassade aus Candoglia-Marmor beherbergt sein Grabmal. Der Bau der Anlage wurde unter den Sforza fortgesetzt. Sowohl für den Bau des Mailänder Doms als auch für das Kartäuserkloster wurde der Marmor per Privileg des Mailänder Herzogs zollfrei aus den Candoglia-Steinbrüchen bezogen und über das von Heribert Kittel ausführlich erläuterte weitverzweigte Kanalnetz der Navigli an Ort und Stelle transportiert.
Die Stadt Brescia bildete den Ausgangspunkt für einige Ausflüge in die Umgebung. In Brescia selbst waren zahlreiche Spuren der abwechslungsreichen Stadtgeschichte zu bewundern. Aus römischer Zeit stammen die Ruinen des antiken Forums und der im Auftrag von Kaiser Vespasian erbaute kapitolinische Tempel. Das auf dem Areal eingerichtete Archäologische Museum zeigt noch ältere Bauten, Mosaikböden und Reste eines Theaters. Glanzstück der Ausstellung ist eine geflügelte Siegesgöttin aus Bronze. Zeugen der langobardischen Herrschaft befinden sich in dem ins UNESCO Weltkulturerbe aufgenommenen Museumskomplex Santa Giulia.
Natürlich durften auch die kulinarischen Genüsse nicht vernachlässigt werden. So führte ein Ausflug zur Cantina La Montina im Weinbaugebiet von Franciacorta. Hier werden die edelsten Schaumweine, die Champagner Italiens produziert, wovon sich die Reisegruppe bei einer informativen Führung und anschließender Verkostung überzeugen konnte.
Beim Ausflug zum Lago d’Iseo zeigte sich die zwiespältige Seite des Wettergottes. Die Ankunft bei strömendem Regen ließ die Bootsfahrt zur Monte Isola buchstäblich ins Wasser fallen. Doch die mit Improvisationstalent ausgestattete Reiseleiterin Pina Kittel zauberte ein Ersatzprogramm herbei, sodass die gute Laune der Gruppe in keinster Weise getrübt war, und wahrscheinlich hat sie auch dafür gesorgt, dass der Himmel am Nachmittag aufklarte und sich in strahlendem Blau zeigte.
Die letzte Station der Reise führte nach Baveno am Lago Maggiore. Mit dem Boot ging es zunächst zur Isola Madre, einer von drei der Öffentlichkeit zugänglichen Inseln, die sich noch heute im Privatbesitz der Familie Borromeo befinden. Auf der kleinen Isola dei Pescatori, der Insel der Fischer, gibt es noch ein Fischerdorf mit ca. 56 Einwohnern.
Die Isola Madre, die Mutterinsel, ist die größte Insel im Lago Maggiore. Faszinierend war der Botanische Garten, dessen Anfänge bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen, und der mit seiner Sammlung exotischer und heimischer Pflanzen die mediterrane Atmosphäre der Insel bereichert. Die Führung durch das zum Museum umfunktionierte Herrenhaus gab einen Vorgeschmack auf die Pracht des noch heute von der Familie genutzten, aber trotzdem der Öffentlichkeit zugänglichen Palastes auf der Isola Bella, der Schönen Insel. Errichtet wurde der Palast im 17. Jahrhundert zu Ehren der Gräfin Isabella d’Adda anlässlich der Heirat mit Carl III. Borromeo. So kam die Insel zu ihrem Namen, den sie mit Recht trägt. Noch heute wird der Palast für familiäre Festivitäten genutzt, so wie im August 2015, als hier die kirchliche Trauung von Beatrice Borromeo und Pierre Casiraghi von Monaco stattfand.
Nach so viel adeligem Ambiente stand der Reisegruppe nun die Rückreise bevor. Erfüllt und bereichert mit Eindrücken und Erfahrungen unterschiedlichster Art ging es gut gelaunt Richtung Heimat. Der Dank der Gruppe für die rundum gelungene Reise gilt dem Organisationsteam und dem umsichtigen und hilfsbereiten Fahrer Mario.
Autor: Doris Tiemann